Export, Energie und europäisches Währungssystem: Bestand B 52 erschlossen

24.10.2017
Plakat Teheran 1960 Bild vergrößern Werbeplakat für die deutsche Industrieausstellung 1960 in Teheran (© AA)

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber historische Situationen kehren immer wieder. Deshalb ist die Zeitgeschichte der Schlüssel zum Zeitgeschehen. Die jetzt geordneten und verzeichneten Akten im Bestands B 52 des Politischen Archivs geben dafür ein Beispiel. Sie stammen aus den Jahren 1953 bis 1972 und dokumentieren die Tätigkeit des Grundsatzreferats der Wirtschaftsabteilung des Auswärtigen Amts (400/IIIA1).

Dieses Referat hatte eine Reihe von Aufgaben. Viele Akten beschäftigen sich mit deutscher Beteiligung an internationalen Messen des Auslands. Sie erlauben interessante wirtschaftliche und kulturelle Perspektiven auf den Wiederaufstieg der Exportnation Deutschland.

Daneben enthält der Bestand zwei Aktenkomplexe von besonderer Bedeutung:

Zum einen sind dies Akten zur ersten europäischen Währungskrise von 1968/69. In den Sechzigern begann es im Weltwirtschaftssystem von Bretton Woods zu knirschen. Das Pfund Sterling war als Reservewährung auf dem Rückzug. Nach den Unruhen von 1968 geriet der französische Franc unter massiven Druck. Die wichtigsten Partnerländer forderten von Deutschland eine Aufwertung der starken D-Mark, doch die Bundesregierung hielt an ihrer Stabilitätspolitik fest. Verstärkt durch den Nixon-Schock von 1971, als die Gold-Bindung des Dollar fiel, mündeten diese Versuche in die lange Suche nach einem europäischen Währungssystem.

Zum anderen bietet der Bestand Akten zur Sicherung der Erdölversorgung, einem neuen Politikfeld, das vor 50 Jahren, nach dem Sechs-Tage-Krieg und dem ersten arabischen Erdölboykott, dann verschärft ab 1970, nach der Verstaatlichung des libyschen Erdöls durch Gaddafi, aktuell wurde. Die OPEC-Staaten wurden sich ihrer Marktmacht bewusst und versuchten, höhere Preise gegenüber den konsumierenden westlichen Industrienationen durchzusetzen. Dies war das Vorspiel zur Ölkrise von 1973. Die Sorge um das Öl hat die Weltpolitik seitdem tief geprägt.

Diese wichtigen historischen Quellen sind der Forschung seit langem zugänglich. Mit der jetzt abgeschlossenen Erschließung wird ihre Benutzung wesentlich vereinfacht. Im Lesesaal des Politischen Archivs stehen dafür eine Datenbank und ein gedrucktes Findbuch zur Verfügung.

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