Der Weinerlass

1971: Botschafter des deutschen Weins

Die Exportförderung gehört seit jeher zu den Hauptaufgaben der Wirtschaftsabteilung des Auswärtigen Amts. Dazu nahm sie sich auch einer Frage an, die man zunächst in diesen Akten wohl nicht vermuten würde: Welche Weine werden von den deutschen Auslandsvertretungen bei Veranstaltungen im Rahmen der Pflege ihrer Kontakte im Ausland ausgeschenkt?

Sicher entspricht das einem verbreiteten Klischee, demzufolge das Leben der Diplomaten aus einer ununterbrochenen Folge von Empfängen besteht, aber tatsächlich spielt auf den Auslandsposten die Kontaktpflege mit Vertretern des Gastlandes eine wichtige Rolle. Diese Aufgabe mit den Belangen der Exportförderung in Einklang zu bringen, erwies sich offenbar nicht immer als ganz einfach. Das Landwirtschaftsministerium wurde deshalb immer wieder beim Auswärtigen Amt vorstellig. Die Bonner Zentrale gab dann Weisung an die deutschen Botschaften und Konsulate, tunlichst nur deutsche Erzeugnisse aufzutischen und auszuschenken.

Nicht dem Wortlaut, aber der Sache nach ging es bei den deutschen Spezialitäten, für die geworben werden sollte, in erster Linie um Wein. Das zeigen die zahlreichen Berichte der Auslandsvertretungen über die Umsetzung der Weisung, die offenbar nicht immer ganz leicht war. Deshalb sprach man allgemein vom „Weinerlass“ .

Viele Berichte betonen zwar, dass deutsche Getränke ausgeschenkt wurden, auch gab es natürlich eigene Marketingveranstaltungen für deutsche Produkte. („… So konnte der Unterzeichnete die Erfahrung machen, daß sehr oft deutscher Sekt dem französischen Champagner in heißen Ländern vorgezogen wird, da er leichter und bekömmlicher ist.“)

Doch es ist auch von Problemen die Rede: Sei es, dass deutsche Getränke nicht oder nur mit großem Aufwand im Gastland zu beschaffen waren, oder dass sie dem dortigen Geschmack schlicht nicht entsprachen. Rotwein, in vielen Ländern beliebter als weißer, gehörte lange Zeit nicht unbedingt zu den Stärken deutscher Winzer. Mehrfach wird auch beklagt, dass es die deutschen Produzenten hinsichtlich der Intensität der Werbemaßnahmen im Ausland nicht mit ihren Konkurrenten aus Frankreich oder Italien aufnehmen konnten.

Der deutsche Wein hat den Anschluss an die besten Gewächse geschafft. Ob der Weinerlass dazu beigetragen hat?             

Der Weinerlass Bild vergrößern Der Weinerlass (© AA)

Regest und Formalbeschreibung:

Bonn, 1971 Januar 6

Bessere Berücksichtigung deutscher Spezialitäten bei der Verköstigung anlässlich repräsentativer Anlässe der Auslandsvertretungen.

Archivsignatur: PA AA, B 52, Bd. 162.

Runderlass, genehmigtes Konzept, DIN-A4, 1 Blatt, Vorderseite beschriftet, Anlage nicht abgebildet.

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Der Weinerlass

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