Deutschland wird global: Die Eulenburg-Mission

17. Februar 1862
Geschenke des Königs von Thailand für Wilhelm I. von Preußen

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Preußen ein Agrarstaat, der erst am Beginn einer – dann allerdings rasanten – Industrialisierung stand. Am Welthandel hatten unter den deutschen Staaten bis dahin hauptsächlich die Hansestädte einen gewissen Anteil.

Diese Zeit des Umbruchs markiert einer der ältesten im Politischen Archiv verwahrten  Verträge: der „Freundschafts-, Handels-  und Schifffahrtsvertrag zwischen den Staaten des Zollvereins und den Großherzogtümern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz einerseits und dem Königreiche Siam andererseits“ vom 7. Februar 1862. Er gilt zugleich als die Gründungsurkunde für die diplomatischen Beziehungen Deutschlands mit Thailand (so der Name des Staats seit 1949).

Am 25. Oktober 1858 hatten bereits die Hansestädte einen Handelsvertrag mit Siam geschlossen. Hanseatische Großkaufleute gehörten auch zu den Initiatoren des Unternehmens, das zum Vertrag von 1862 führte und das ihrem Handel die Rückendeckung durch das ungleich größere Gewicht Preußens versprach. Für Preußen, den Junior unter den großen europäischen Mächten, bedeutete das weltweite Ausgreifen andererseits einen Prestigegewinn, auch innerhalb des Deutschen Bundes, in dem es mit Österreich rivalisierte. Der Handelsminister von der Heydt drängte die junge preußische Marine, die anfangs nicht einmal geeignete Schiffe besaß, zu dem Unternehmen – im Wissen, dass etablierte Handelsnationen weltweit bereits im Vorsprung waren.

Im Jahr 1860 schickte Preußen schließlich seine brandneue Dampfkorvette „Kap Arcona“ und drei weitere Schiffe unter Führung des Diplomaten Friedrich Albert Graf zu Eulenburg von der Ostsee ins Chinesische Meer, um mit den Hauptmächten dort Beziehungen zu knüpfen. Eulenburg gelang bis 1862 der Abschluss von Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsverträgen mit Japan, China und eben Siam. Die Expedition war ein echtes Abenteuer. Eins seiner Schiffe sank mit Mann und Maus im Sturm vor der japanischen Küste, und es dauerte nahezu zwei Jahre, bis die Mission beendet war.

Zum Abschied von Thailand gab der Erste König* des Landes, Mongkut, Graf Eulenburg prächtige Geschenke für Wilhelm I. von Preußen mit, darunter ein Bildnis seiner selbst, ein Prunkschwert und eine vergoldete Zigarrenkiste. Alle Geschenke, so wird betont, seien im Lande hergestellt worden. Die Liste der Geschenke bildet die Anlage zu einem ausführlichen Schreiben Mongkuts an Wilhelm. Der gesamte Schriftsatz liegt in doppelter Ausfertigung vor: auf Thai und in einer englischen Höflichkeitsübersetzung. Als königliches Dokument trägt er einen Goldrand, wegen eines Todesfalls in der königlichen Familie zusätzlich noch einen Trauerrand.

* Das Amt des Zweiten Königs war dem designierten Nachfolger übertragen.

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Thailändische Geschenkeliste Bild vergrößern Thailändische Geschenkeliste (© AA)

Regest und Formalbeschreibung:

[Bangkok, Großer Palast, 1862 Februar 17]

Inventar der Geschenke des Ersten Königs von Thailand, Mongkut (Rama IV.), für König Wilhelm I. von Preußen, dem Sondergesandten Graf Eulenburg auf der Rückfahrt von Thailand mitgegeben.

Archivsignatur: PA AA, BILATR THA 5/5. Liste als Anlage zu Handschreiben Mongkuts an Wilhelm, danach erschlossen Ort und Tagesdatum. Ausfertigung, englische Übersetzung des Thai-Originals. 33 x 21 cm, 1 Bogen, S. 1 beschrieben, Wasserzeichen „JWhatman 1857“, schwarzer und goldener Rand. Oben links aufgedrücktes Prägesiegel, erhabene Partien golden, vertiefte schwarz, schwarz umrandet. Weiter oben gelocht und mit übrigen Schriftstücken durch Seidenfaden zusammengeheftet; daran anhängendes schwarzes Wachs-Sekretsiegel in Goldrand.

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